Die Dauerausstellung im Naturkundemuseum Leipzig
23 Flusslandschaft der Mulde








Die Mulde war in der Vergangenheit ein sehr fischreicher Fluss, in dem über 30 Fischarten vorkamen. Um 1910 lebten zwischen Bitterfeld und Eilenburg noch fünf Familien vom gewerblichen Fischfang. Anfang der 1930er Jahre gab der letzte Muldefischer sein Gewerbe auf.
Der Rückgang des Fischbestandes ist auf die Abwasserbelastung des Flusses zurückzuführen, die bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Aufblühen der Industrie im Einzugsgebiet der Mulde begann. Nach der Stillegung veralteter Industriebetriebe und dem Baumoderner Kläranlagen in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ist eine Verbesserung der Wasserqualität festzustellen. Um 1990 konnten in der Mulde bei Eilenburg etwa 20 Fischarten nachgewiesen werden.


Bisamratte
Ondatra zibethicus

Verbreitung: ursprünglich Nordamerika, in Europa durch Aussetzungen (1905 bei Prag und 1919 in Finnland) und entwichene Farmtiere verbreitet.
Lebensweise: dämmerungs- und nachtaktiv; schwimmen und tauchen gut, Erdbaue in Uferböschungen, an Gewässern mit flachen Ufern Schilfburgen; jährlich 2-3 Würfe mit 2-8 Jungen, Tragzeit 30 Tage; Nahrung besteht aus Sumpf- und Wasserpflanzen, Weidenrinde, Kräutern, Obst und Gemüse, gelegentlich auch Muscheln und Krebse
Bestand: häufige, stellenweise sehr häufige Art, an der Mulde seit 1920 verbreitet
Nutria, Sumpfbiber
Myocastor coypus

Verbreitung: ursprünglich Südamerika, europäische Vorkommen entstanden durch entwichene und ausgesetzte Farmtiere
Lebensweise: semiaquatisch, vorwiegend dämmerungsaktiv, selbstgegrabene Erdbaue im Uferbereich; jährlich meist 2 Würfe mit 1-13 Jungen; Tragzeit 131-138 Tage; ernähren sich vorwiegend von Sumpf- und Wasserpflanzen, im Winter auch Baumrinde
Bestand: in NW-Sachsen lokale Vorkommen an der Mulde u. a. Gewässern, infolge illegaler Aussetzungen zunehmend
Fischotter
Lutra lutra

Verbreitung: Europa, Nordafrika und Asien
Lebensweise: vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, semiaquatische Art, kann bis 8 Minuten tauchen, Bau in Höhlen am Ufer; 1-3, selten 4 Junge, Tragzeit 61-63 Tage, Nahrung besteht aus Fischen, Lurchen, Vögeln, Kleinsäugern und Krebsen
Bestand: vom Aussterben bedroht, in NW-Sachsen kleine Vorkommen vor allem im Einzugsgebiet der Mulde, durch Verbauung und Verschmutzung der Gewässer und den zunehmenden Straßenverkehr in Mitteleuropa extrem gefährdet.




Gänsesäger - Mergus merganser
Verbreitung: Eurasien und Nordamerika
Lebensweise: bewohnt Flüsse, Seen und Küsten mit baumbestandenen Ufern; Nest in Baumhöhlen und Felsen oder Erdhöhlen, Gelege 7-12 Eier, Brutdauer 32-35 Tage, Nahrung besteht hauptsächlich aus Fischen, selten auch Fröschen, Krebsen und Insekten.
Bestand: in Sachsen Durchzügler und Wintergast, überwintert jährlich in mäßig häufiger Anzahl (zeitweilig über 100) auf der Mulde
Bergente - Aythya marila
Verbreitung: Eurasien und Nordamerika
Lebensweise: gesellige Tauchente, besiedelt Tundren, Hochmoore und kleine Inseln; Nest am Boden in Wassernähe, Gelege 7-10 Eier, Brutdauer 24-27 Tage, Nahrung vorwiegend Mollusken, aber auch Kleinkrebse und Insekten
Bestand: in Sachsen Durchzügler und WIntergast, überwintert regelmäßig in geringer Anzahl auf der Mulde





Triel - Burhinus oedicnemus
Verbreitung: Europa, SW- und Südasien und Nordafrika
Lebensweise: besiedelt Steppen, Ödland, Kies- und Schotterflächen in Flüssen u.a. vegetationsarmen Flächen, als Ersatzbiotop auch Felder; Nest flache Bodenmulde, frei oder zwischen lockerer Vegetation stehend, Gelege meist 2, selten 3 Eier, Brutdauer 24-26 Tage; Nahrung Würmer, Schnecken, Insekten, Kleinsäuger, Pflanzenteile und Sämereien, Zugvogel
Bestand: inSachsen als Brutvogel wahrscheinlich ausgestorben, an der Mulde noch bis 1960 Brutnachweise, Bestandsrückgang in Mitteleuropa dürfte hauptsächlich auf Biotopveränderungen zurückzuführen sein.



Flussregenpfeifer - Charadrius dubius
Verbreitung: Eurasien bis NW-Afrika
Lebensweise: besiedeln bevorzugt Schotter-, Kies- und Sandufer an Flüssen, aber auch Grubengewässer und Ruderalflächen; Nest flache Bodenmulde ohne Deckeung, 3-4 aus sandfarbenem Grund gefleckte Eier, Brutdauer 24-25 Tage; Nahrung Insekten, Spinnen, Schnecken und Kleinkrebse; Zugvogel
Bestand: in NW-Sachsen spärlicher Brutvogel mit etwa 100 Brutpaaren, davon 30-40 Paare an der Mulde
Flussuferläufer - Actitis hypoleucos
Verbreitung: Eurasien
Lebensweise: bewohnen vegetationsreiche, schlammige und sandige Ufer von fließenden und stehenden Gewässern; Nest mit Pflanzenteilen ausgekleidete Bodenmulde, unter Vegetation oder Treibholz gut versteckt, 3-4 auf rötlichgelben Grund gefleckte Eier, Brutdauer 21-22 Tage; Nahrung Insekten, Spinnen, Kleinkrebse und Kaulquappen; Zugvogel
Bestand: in Sachsen stark gefährdet, in NW-Sachsen sehr seltener Brutvogel, an der Mulde mehrere Brutpaare




Flussseeschwalbe - Sterna hirundo
Verbreitung: Eurasien bis Nordamerika
Lebensweise: brüten kolonieweise auf kleinen Inseln vor der Küste und an Binnenseen, aber auch an unverbauten, mäandernden Flussabschnitten; Nest flache Bodenmulde oder aus Schilf, Gelege 3 Eier, Brutdauer 20-26Tage; Nahrung kleine Fische, Krebse und Wasserinsekten; Zugvogel
Bestand: in Sachsen stark gefährdet, in NW-Sachsen keine aktuellen Brutnachweise, Brutkolonien an der Mulde nach 1913 infolge zunehmender Gewässerverschmutzung erloschen.






Zwergrohrdommel - Ixobrychus minutus
Verbreitung: Europa, Westasien, Afrika und Australien
Lebensweise: Zwergrohrdommeln leben versteckt in der Ufervegetation stehender Gewässer. Sie ernähren sich von kleinen Fischen, Schnecken, Würmern und Insekten. Bei Gefahr nehmen sie eine Schutzstellung (Pfahlstellung) mit steil nach oben gerichteten Schnabel ein. Ihre Nester bauen sie in dichten Rohr- und Schilfbeständen. Aus den 5-7 Eiern schlüpfen nach 17-19 Tagen Brutdauer die Jungen, die im Alter von einem Monat flügge werden. Zwergrohrdommeln überwintern in Nordost- und Ostafrika.
Bestand: vom Aussterben bedroht (Zerstörung geeigneter Habitate), in NW-Sachsen nur noch wenige Brutnachweise




Teichralle - Gallinula chloropus
Verbreitung: Eurasien, Afrika und Amerika
Lebensweise: Teichrallen leben meist versteckt in der Vegetation, wo sie ihre Nester Bauen. Die 6-8 Kücken schlüpfen nach einer Brutzeit von etwa 3 Wochen. Beide Altvögel führen die Jungen, die bereits kurz nach dem Schlupf das Nest verlassen. An der Aufzucht der 2. Brut sind die Jungvögel der 1. Brut beteiligt. Die mitteleuropäischen Teichrallen überwintern meist im Brutgebiet an eisfreien Gewässern, die ausreichend Nahrung (Schnecken, Würmer und Pflanzenteile) bieten.
Bestand: in Sachsen bestandsgefährdet, in NW-Sachsen schätzungsweise um die 500 Brutpaare.

















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