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Zu Besuch im Museum der Westlausitz in Kamenz am 06.10.2012

Das Museum der Westlausitz verteilt sich in Kamenz auf zwei Standorte. In der Nähe des Marktes findet sich das Elementarium im prachtvollen Ponickauhaus. Wir werden herzlich von der Direktorin, Frau Dr. Friederike Koch und Diplom-Geologen Ronny Leder empfangen.

Sonderausstellung: Tropenparadies Lausitz? Klimawandel im Tertiär
Als Freier Mitarbeiter hat Diplom-Geologe Ronny Leder die derzeitige Sonderausstellung maßgeblich mit entwickelt, durch die er uns nun führt.

Absolut begeistert sind wir von der Installation "Zeitrad", vor allem der dahinter steckenden Computersimulation. Diese ermöglicht spielerisch eine Reise durch Millionen von Jahren und zeigt den dabei stattgefundenen Landschaftswandel auf.

Auch der nächste Raum wartet mit einem 30.000 € teuren Computerspielzeug auf. Auf einem Tisch mit 3d Relief kann mit über einen Beamer verschiedene Szenarien von Landschaftsentwicklung ablaufen lassen, in dem man drei verschiedene Umweltparametergruppen beliebig miteinander kombiniert.

Anschließend werden wir um den Faktor 20 geschrumpft und begeben uns als Amphibium in einen See. Am Grund finden wir Ablagerungen von Blättern und Samen. Ähnlich haben sich die Prozesse im tertiären Erdzeitalter abgespielt, aus dem nun entsprechende Fossilien gefunden und zur Landschaftsrekonstruktion herangezogen wurden. Die Kinder waren fasziniert davon, dass sie die großen Samen- und Blattnachbildungen in die Hand nehmen konnten. Auch die Erwachsenen waren von der Idee her begeistert, einige fanden die Ausführung aber etwas zu primitiv.

Fossilienfragmente kombiniert mit Strichzeichnungen vermitteln einen sehr anschaulichen Eindruck aus der damaligen Tierwelt. Links Unterkiefer eines Kleinen Hauerelefanten und Backenzähne eines Großen Hauerelefanten. Rechts Unterkieferfragment eines kurzbeinigen Urnashorns und Kieferfragment eines Donnertieres, welches über dem Unterkieferfragment gezeichnet ist. Auf der rechten Teilabbildung ist hingegen ein echtes Nashorn ohne Horn zu sehen.

So auch die Knochennachbildungen eines 18 Mill. Jahre alten Dreizehenurpferdes in einem Konturrahmen oder 17 Mill. Jahre altes fossiles Lockenholz aus dem Braunkohlentagebau Welzow.

Leider erst abseits vom Teich treffen wir nun auf die originalen Zeitzeugen, die fossilen Abdrücke von Blättern und Samen aus den ehemaligen Teichsedimenten der Tongrube am Hasenberg in Wiesa.

Leidenschaftlich erklärt Herr Leder die Entwicklung und Gestaltung der Ausstellung. So hat man zur Nachbildung der feuerressistenten Borke eines Mammutbaumes, der mit seinen Riesenstämmen ganz wesentlich an der Kohlebildung im Tertiär beteiligt war, Kokosfasern benutzt.

Aus Bernsteinen analysierte Luft war vor 15 Mill. Jahren doppelt so reichhaltig an Kohlendioxid, wie die heutige. Bei der Inkohlung von Gehölzen bleiben auch die Spuren von Fraßinsekten als Spurenfossilien erhalten.



 
Was in der eigentlich recht dunkel gehaltenen tertiären Urwaldnachbildung kaum auffällt, die Urpferdnachbildungen sind Plüschtiere. Wirklich beeindruckend ist die Säbelzahnkatze, aber leider nur halb.

Das Elementarium - Die Dauerausstellung
Durch das Element "Steine" führt anfangs ein bunter Zeitstrahl durch 4,6 Milliarden Jahre der verschiedenen Erdzeitalter. Auf diese Weise wird die Entstehung bestimmter Steine und Fssilien ganz ausgezeichnet mit den damaligen Lebens- und Entstehungsräumen in Verbindung gebracht. Die sonst manchmal öde Welt der toten Steine erwacht hier auf einmal zu buntem Leben.

In einem Forschungslabor können viele Steine aus Schubkästen in die Hand und unter Lupen untersucht werden. Dabei wurden die Steine in einem Schrank nach der Zeit ihres Entstehens und im anderen Schrank nach der Art ihres Aufbaus sortiert.

Und dann stehen wir plötzlich mitten im Baumarkt. Die Meinungen hierzu spreizen extrem auseinander von genialer Idee bis zu technisch und billig. Doch bei genauerer Betrachtung werden uns unter dem Design eines Baumarktes die Steine und Böden der Natur und ihre Rolle im täglichen Leben vorgeführt.

Das Element "Formen" beginnt mit einem kleinen Kinosaal, in dem ein kurzer Trickanimationsfilm die Entstehung und spätere menschliche Überprägung der Lausitz kindgerecht und teilweise witzig rüberbringt. Im "langen Gang", in dem die Ursachen des Formenreichtums der Erde vorgestellt werden, erfreut sich der Erdbebensimulator der absoluten Beliebtheit der Kinder. Allerdings kann dieser nur seitlich gerichtete Transversalwellen von Erdbeben nachbilden. 

Insgesammt ist der "lange Gang" jedoch zu sehr mit Lehrbuchwissen befrachtet, dem zu wenige originale Anschauungsobjekte gegenüber stehen. Die Reduktion der Tafeln auf schmale Bänder verstärkt noch den lehrbuchhaften Charakter.

In einem langen Gang der Geschichte wird das Element "Menschen" behandelt. Der linearen Zeitachse folgend weisen die archäölogischen Artefakte auf die Siedlungsgeschichte der Menschen in der Lausitz seit der Altsteinzeit 5.500 Jahre v.Chr..

Schade nur, dass der Blick auf die Artefakte teilweise durch getrübtes Milchglas begrenzt wird. Ansonsten vermitteln Auswahl und Text einen guten Überblick über die Siedlungsgeschichte bis zum Zeitalter der Industrialisierung.

Seit es Fotografien gibt, werden auf der Rückseite von Bildern namhafter Personen der Westlausitz deren Geschichten erzählt.

Im Element "Nutzen" finden sich größere Vitrinen mit präparierten Tieren, doch leider steril ohne Umwelt. Dass, was bei uns im Leipziger Naturkundemuseum die meisten ah's und oh's hervorbringt, Vitrinen mit Lebensraumausschnitten fehlt hier leider total. Eine regelrechte Barriere zu eingen Vitrinen bildete ein Vorhang aus dicken, nicht ganz durchsichtigen, von der Decke herabhängenden Kunststoffbahnen, die mit Texten und Grafiken bedruckt waren.

vorher-nachher- Vergleich der Landwirtschaft

 
Über eine enge Wendeltreppe gelangen wir in das Element "Idee". Ein Raum, fast eine kleine Forscherstube, die die verschiedensten Dinge aus unterschiedlichen Zeiten aufbewahrt.

 
Technisch steif, emotional kühl und irgendwie billig kommt das Element "Wald" herüber.

Das Sammelsurium

Am nördlichen Stadtrand gelegen befindet sich das Sammelsurium im Dachgeschoss eines ehemaligen Kasernengebäudes. Bis 1998 waren die Lagerbedingungen des Museums wie bei uns extrem durch Enge, Staub und ungünstige Klimabedingungen bestimmt und die Existenz des Museums stand auf der Kippe. Doch seit der Erweiterung um das Sammelsurium hat das Museum mit seinen enorm engagierten Mitarbeitern eine sehr positive Entwicklung genommen.

In dieser reichlich 10 Jahre alten Erweiterung des Museums haben die Mitarbeiter ihre relativ komfortablen Arbeitsräume - hier im Bereich Archäologie.

Gut sortiert und eingerichtet ist auch das entsprechende Magazin, welches uns Frau Dr. Koch hier präsentiert.

Blick in den Arbeitsraum des Geologen sowie in einen Magazinschrank der Abteilung Geologie.

Im gleichen Magazinraum lagern auch eine Xylothek und das Herbarium. Da das Museum keinen Botaniker hat, wird an den botanischen Sammlungen nicht weiter gearbeitet.

Die Werkstatt der Präparatoren ist relativ groß und doch auch recht voll mit Arbeitsutensilien.

Zum Komplex der Werkstadträume gehören auch große Waschbecken, ein Sektionsraum sowie ein Kühlraum.

Aus der Arbeit der Präparatoren

Anders als erwartet, enthält das Sammelsurium keine großen Schauvitrinen sondern moderne Magazinschränke, die platzsparend auf Schienen verschoben werden können in einem aus Farßschutzgründen kühl klimatisierten Raum. Zum Staubschutz sind die Schränke untereinander mit Gummilippen abgedichtet.

Blick durch die Magazinschränke auf die Standpräparate. Interessierte Besucher könen sich während der wöchentlichen Arbeitszeit in die Magazine führen lassen.

Des weiteren sehen wir Balgpräparate und eine Eiersammlung.

Aus einem Nebenraum, der die Sammlung der Flüssigkeitspräparate beherbergt, schlägt uns eine intensive Alkoholwolke entgegen.

Damit endet für uns ein intensiver und anstrengender Tag. Wir danken Frau Dr. Friederike Koch und Ronny Leder nochmals ganz herzlich für die sehr engagierten und für alle Fragen offenen Führungen. Auch wenn wir mangels Zeit viele Bereiche nur oberflächlich ankratzen konnten, sind wir mit einer Fülle neuer Erfahrungen, resultierend auch aus einem völlig anderen Museumskonzept, nach Hause zurück gekehrt. Ein Konzept, welches das Museum technisierter und damit moderner wirken lässt, dem es aber auf der anderen Seite an Natürlichkeit mangeld. Dies zukünftig zu ändern und die Lebensräume der Westlausitz mit entsprechenden Biotopvitrinen zu präsentieren dürfte die zukünftige Herausforderung für das beeindruckende Museum sein, dass auf jedenfall seinen Besuch lohnt. Wir wünschen den Kollegen in Kamenz auch weiterhin so viel Erfolg und die entsprechende Unterstützung durch den Landkreis bei ihrer engagierten und aufopferungsvollen Arbeit.