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Zukunftsvisionen

Leipzig benötigt ein neues Naturkundemuseum !

Der Verein der Freunde und Förderer des Naturkundemuseums Leipzig fordert seit Jahren von der Stadt Leipzig die Modernisierung und Erweiterung des Naturkundemuseums. Spätestens die Sperrung der Dauerausstellung aus brandschutztechnischen Gründen zeigt, dass die Stadtverwaltung diese Modernisierung und räumliche Erweiterung zu lange hinaus geschoben hat und nun ein absolut zwingender Handlungsbedarf besteht. Wir fordern, dass Leipzig endlich ein Naturkundemuseum erhält, welches der Stadt würdig ist – würdig in Bezug auf die Bedeutung seiner Sammlungen und würdig in Bezug auf die Bedeutung Leipzigs als Wissenschaftsstandort. Schließlich war Leipzig bis zum 2.Weltkrieg einer der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Forschungsstandorte in Deutschland und Europa. Hier hatten einst weltbekannte Naturwissenschaftler gewirkt.
Positionspapier des Fördervereins für ein Neues Naturkundemuseum in Leipzig

Die Schwerpunkte zuküntiger Dauerausstellungen - eine Reise durch Raum und Zeit

Vom Direktor des Leipziger Naturkundemuseums wurden bereits mehrfach Konzeptionen (2004, 2007, 2010) für ein neues Naturkundemuseum erarbeitet. In Ihnen wurden verschiedene Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale der Region und für das Leipziger Naturkundemuseum herausgearbeitet. Mit der Grundidee einer "Reise durch Raum und Zeit" und einer ambitionierten Umsetzung der regionalen Besonderheiten hat Leipzig die Möglichkeit, in die 1. Liga der Naturkundemuseen Deutschlands zurückzukehren. 
Begeben Sie sich im künftigen Museum mit uns auf eine Reise durch die Zeit mit der Frage, wie sah die Region des heutigen Leipzigs damals aus. Und auf einer Reise durch den Raum in die Regionen, in denen wir heute Umweltbedingungen und Lebensräume vorfinden, die denen gleichen, die damals "in der Region Leipzigs" vorkamen.

1) Das Erdaltertum und Erdmittelalter in der Region Leipzig - vom Präkambrium bis zur Kreidezeit:
Zeitraum: vor ca. 1 Milliarde Jahren bis vor 50 Millionen Jahren

Die Entstehung der geologischen Grundgebirge aus Granulit oder Grauwacke. Zudem war NW-Sachsen Schauplatz intensiver vulkanischer Tätigkeit und bietet eine Vielfalt eruptiver Gesteine, die sich aber dennoch von heute aktiven Vulkanismusregionen unterscheiden. Eine besondere Attraktion eines Museums ist die bunte Welt der Minerale und Edelsteine sowie ihrer Entstehung
.

2) 50 Millionen Jahre Klima- und Landschaftsgeschichte
Zeitraum: Tertiär bis zum Ende der letzten Eiszeit

Die gewaltigen künstlichen Aufschlüsse der Braunkohleindustrie sowie die damit verbundenen unzähligen Erkundungsbohrungen haben den Beweis erbracht, dass das Saale-Elbe-Gebiet zu den bedeutendsten Zeit-, Klima- und Prozessarchiven der Erde für diesen jüngsten Zeitabschnitt der Erde zählt. Die Region Leipzig ist die am stärksten perforierte Region Europas. Dies erlaubt uns in einer Zeitreise die Rekonstruktion von Klima-, Landschafts-, Floren- und Faunenwandel von subtropischen bis zu arktischen Verhältnissen. Vom tropischen Meer bis zur Eiszeit haben die verschiedensten Lebensraumtypen unsere Landschaft geprägt.


3) 10.000 Jahre NaturKulturGeschichte - die Entwicklung des Leipziger Auensystems
Zeitraum: die letzten 10.000 Jahre

Seit der Mensch nach der letzten Eiszeit in die Region eingewandert ist, hat er sie permanent zu seinem Nutzen überformt. Die Region Leipzig gehört mit zu den am schnellsten und am intensivsten vom Menschen besiedelten Regionen Mitteleuropas nach der Eiszeit. Das Leipziger Binnendelta war dabei prägend für die Entwicklung der Region. Diese Entwicklung zeichnet sich durch enge Wechselwirkungen zwischen der menschlichen Ansiedlung, den Fließgewässern und den übrigen Auenlebensräumen aus, die in diesem Themenbereich dargestellt werden sollten.

4) Vom Braunkohlentagebau zum Neuseenland

Der Braunkohlenbergbau hat Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, große Löcher in die Region gerissen, wertvolle Lebensräume vernichtet aber auch eine Folgelandschaft mit neuen Werten geschaffen. Pionierbiotope als Lebensräume auf Zeit ermöglichen vielen durch Lebensraum wandel und -verlust gefährdeten Arten vorübergehenden Ersatzlebensraum. Doch der menschliche Nutzungsdruck auf großflächig unberührte Entwicklungszonen nimmt stetig zu.


5) Die Lebensräume der Region  - Naturraum Dübener-Dahlener Heide, die Mulde, die Porphyrhügel östlich von Leipzig

Von den verschiedenen Waldtypen zum Offenland mit Hecken, Wiesen, Weiden und Agrarflächen, von kleinen Gewässern mit Sümpfen und Mooren bis zu großen Seen - Dieser Themenkomplex soll die Vielfalt der Lebensräume in Nordwestsachsen, aber auch ihren Wandel durch Industrialisierung und Urbanisierung aufzeigen.


6) Hermanus Hendricus ter Meer und die Geschichte der Präparationskunst

Herman H. ter Meer gilt als der Begründer der modernen Tierpräparation, die er zu einem wahren Kunsthandwerk erhob. Als begnadeter bildender Künstler war er im Jahr 1931 Mitbegründer der "Deutschen Künstlervereinigung  der Museumsdermoplastiker" (DEUKÜMAS). Der gebürtige Niederländer wirkte von 1907 bis zu seinem Tod 1934 als Präparator am Zoologischen Museum der Universität Leipzig. Mit 232 Präparaten besitzt das Naturkundemuseum Leipzig die umfangreichste Sammlung von Exponaten von Hermanus Hendricus ter Meer. In der Tradition ter Meers wirkten und wirken bis heute die Präparatoren des NKM fort. SO beschäftigt das Naturkundemuseum derzeit mit Herrn Diebitz einen Präparator, der bei der Weltmeisterschaft der Präparatoren mehrere erste Plätze abgeräumt hat. (siehe auch "Fast für die Ewigkeit") In Schaumagazinen, teilweise untergebracht in den wuderschönen historischen Magazinschränken, sollten bedeutende und attraktive Sammlungen des Museums ebenso präsentiert werden, wie die Methoden der Präparation.

Platzbedarf: 300 - 500 m²

7) Die Evolution des Menschen

Mit dem Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie hat Leipzig eine der weltweit führenden Forschungseinrichtungen auf diesem Gebiet. Was liegt da näher, als eine Kooperation anzustreben, in der das neue (aktuelle) Weltbild der Menschheitsentwicklung populärwissenschaftlich dargestellt wird.

Platzbedarf: 100 - 250 m²

Organisatorische und technische Voraussetzungen für ein Neues Naturkundemuseum
Die bisherige Unterbringung der wertvollen Dermoplastiken im Schulgebäude, in dem sich das Naturkundemuseum befindet, hat vielen der Präparate stark zugesetzt. Für ein neues Naturkundemuseum halten wir deshalb die Erfüllung spezifischer organisatorischer und technischer Voraussetzungen für dringend erforderlich.  >> mehr <<

Das ehemalige Landratsamt Tröndlinring 3
Das imposante Gebäude hat eine der günstigsten Lagen am Innenstadtring in der Nähe des Hauptbahnhofes. Es bietet nicht nur genügend Fläche, auf der sich das NKM längerfristig weiterentwickeln kann, sondern auch eine ideale Raumaufteilung und Höhe. Im zentralen von einem Glasdach überdachten Lichthof könnte ein Mammutskelett bzw. eine Mammutrekonstruktion die Besucher zu ihrer Zeitreise begrüßen.
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Trotz aller im Laufe der Zeit aufgetretenen technischen Probleme ließe sich auch das bestehende Gebäude ausbauen und erweitern. Dabei muss das Gebäude komplett entkernt werden und nur noch die denkmalgschützten Fassaden blieben erhalten. Mit einer nun kompletten Unterkellerung, Aufstockung um eine weitere Etage und flächigen Erweiterung ließen sich deutlich über 4.000 m² Nutzfläche erzielen. Damit wäre genug Nutzraum für größer Dauer- und Sonderausstellungsflächen sowie für Magazine, Arbeitsräue und technische Infrastruktur vorhanden.

Bei denkmalgerechter Erweiterung der Fassade würde sich das modernisierte Naturkundemuseum wunderbar ins Stadtbild einpassen. Das Gebäude würde dann mit seiner westlichen Ecke an den Pleißemühlgraben reichen, der in Zukunft wieder freigelegt werden soll (Verlauf unter den blauen Rohrleitungen). Für Füßgänger würde deshalb im Erdgeschoss eine schräge Passage eingebaut.